Was gibt's Neues

Nichts zu berichten


01.05.2026
Der Reparatur- und Wartungsblog bleibt leer, weil es nichts zu berichten gibt. Der SL fährt absolut problemlos.

Wer billig kauft, kauft zweimal


19.04.2026
Manchmal trifft der Spruch leider zu. Der Nachbau des vor nicht langer Zeit gekauften Zündkabelkanals kann nicht überzeugen. Zwar gleicht er optisch dem Original, bei heißem Motor behält er aber nicht seine Form und rutscht immer wieder aus der Aussparung in der Zylinderkopfhaube. Das kann so nicht bleiben. Also nochmal in den Geldbeutel gegriffen und für 52,00 EUR das Teil bei der Niederlassung geholt. Es ist deutlich steifer als der „weiche“ Nachbau und bleibt auch bei hohen Temperaturen in Form.

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17.04.2026 Die Gattin hatte mich schon seit längerer Zeit beauftragt, einen speziellen Youngtimer für sie zu besorgen: Ein CL 203 Sportcoupe in cubanitsilbermetallic mit Automatikgetriebe, Klimaanlage und Panoramadach aber ohne Lederausstattung sollte es sein. In Weil am Rhein finde ich genau so einen Wagen. Baujahr 2005, also schon die Modellpflege, aus erster Hand, mit kompletter Wartungshistorie und gerade einmal 27.000 Kilometer Laufleistung. Dass er darüber hinaus mit weiteren Extras ausgestattet ist, darunter auch originale 17- Zoll-Felgen nehme ich gerne mit. In den letzten zehn Jahren wurden gerade einmal 600 Kilometer gefahren, wohl hauptsächlich nur für Service und TÜV. Der außergewöhnliche Zustand rechtfertigt auch einen Kaufpreis von 8.000 EUR. Allerdings mussten wir rund 500 Kilometer bis kurz vor die Schweizer Grenze fahren.

Schöner Schrauben


27.02.2026 Temperaturen von 20 Grad bieten willkommenen Anlass, dem SL einen Frühjahrsputz zu gönnen, zu dem auch der Blick unter die Haube gehört. Die lederne Schaltmanschette erhält eine Pflege mit Lederöl, damit sie nicht brüchig wird und auch die Batterie erhält eine vollständige Ladung. Da ich den Wagen auch im Winter an trockenen Tagen immer wieder bewege ist nach fünf Monaten eine gründliche Handwäsche nötig. Krönung ist die Erneuerung des Schutzwachses auf dem Lack, nachdem die letzte Behandlung schon drei Jahre zurückliegt. Zum Einsatz kommt auch mein „neuer“ Werkstattwagen.

Die Schraubersaison 2026 kann kommen

17.02.2026 Nach dem Motto „Lebe im Luxus, sonst tun‘s Deine Erben“ findet auch der Hazet-Knarrenkasten in 3/8-Zoll den Weg zu mir. Auch mit den Traction-Profil-Nüssen. Der Werkzeugsatz reisst nicht so ganz tiefe Löcher in den Geldbeutel, weil ich ihn im Gegensatz zum 1/2-Zoll-Satz gebraucht erwerben kann. Viel gearbeitet wurde damit aber offensichtlich nicht. Nun fehlen nur noch erträgliche Temperaturen, um tatsächlich auch Lust am Schrauben zu haben.

Restaurationsprojekt Werkstattwagen 3

31.01.2026 Da keine umlaufenden Gummiprofile mehr vorhanden waren habe ich von Hazet neue für den heute noch produzierten Nachfolgertyp  „166N“ bestellt. Die Blechaufnahmen sind aber nicht identisch, so dass ich die Profile nicht verklemmen konnte, sondern zusätzlich kleben musste. Dazu verwende ich einen Industrie-Profilgummikleber. Die Laufrollen werden zerlegt, die Kugellager gereinigt und neu gefettet und die alten Tragketten ersetze ich durch neue. Auch die alten Schrauben werden gereinigt und wieder verwendet. Um den Lack zu schonen versehe ich die Werkzeugkästen mit Gummieinlagen, ebenso den oberen Ablagetisch der ohne Matte ausgeliefert wurde.

Restaurationsprojekt Werkstattwagen 2

28.01.2026  Ich recherchiere, dass der Wagen ein Typ 162 ist und zwischen 1955 und 1961 produziert wurde. Assistenten dieser Baujahre hatten einen silberfarbenen Deckel, erst 1982 wurde er in schwarz ausgeliefert. Der Farbton RAL 5012 lichtblau in seidenmatt kommt dem Hazet-Blau recht nahe. Da ich bei der Kälte in meiner Kellerwerkstatt arbeiten muss  besorge ich einen hochwertigen Kunstharzlack, den ich sorgfältig mit einem guten Pinsel auftrage. Für den silbernen Deckel verwende ich eine angebrochene Dose Spraylack, die ich noch hatte. Die Farbe verläuft im geheizten Keller sehr gut so dass ich mit dem Finish mehr als zufrieden bin. 

Restaurationsprojekt Werkstattwagen 1

24.01.2026  Aufräumarbeiten in meiner Kellerwerkstatt fördern längst vergessene Fragmente eines alten Hazet Assistent Werkzeugwagens ans Tageslicht. Ich hatte vor vielen Jahren zwei dieser kultigen Geräte an Land gezogen, die bei einer Autowerkstatt ansonsten in den Schrott gegangen wären. Den besseren habe ich seither in meiner Garage im Einsatz. Nun soll der schlechtere restauriert werden, der irgendwann einmal dilettantisch komplett grün angepinselt wurde. Dazu muss erstmal der Lack ab. Das bedeutet stundenlange Drecksarbeit mit dem Fein Multimaster.

Man gönnt sich ja sonst nichts

21.01.2026  Mein guter alter 1/2-Zoll Elora-Knarrenkasten, der schon seit Jahrzehnten beste Dienste leistet hätte mich sicher auch überlebt, aber an dem Hazet 900 Steckschlüsselsatz, mit dem ich schon lange liebäugle, bin ich diesmal nicht vorbeigekommen. Mit der feinverzahnten Knarre kann man ganz anders arbeiten und die Nüsse haben ein Tractionsprofil, das die Muttern an den Flanken und nicht an den Ecken greift. Das kenne ich von meinem Metrinch-Werkzeugsatz. Mit dem arbeite ich aber nicht so gerne, weil die Nüsse viel „Spiel“ haben und ich die hochglanzverchromten Werkzeuge nicht so griffig finde. Nur schade dass die neuen Sets nicht mehr im Metallkoffer ausgeliefert werden.

Material gehamstert

21.01.2026  Eiskalt, Straßen versalzen - kein Wetter für den SL. Da kann man sich schon mal Material für die nächsten Projekte besorgen. Eine Fünf-plus-ein-geschenkter-Liter-Aktion lassen mich für 40,52 Euro einmal mehr zum Castrol GTX 10W40 mit MB-Freigabe 229.3 greifen. Einen halben Liter habe ich noch vom letzten Ölwechsel übrig, so dass die Füllmenge exakt passt. Und das Kühlmittel möchte ich mal wechseln. Mit Unverständnis erfahre ich, dass das bekannte Glysantin G48 mit passender MB Freigabe wegen irgendwelcher neuer EU-Normen nicht mehr in Kleinmengen verkauft wird. Ich nehme dafür eins von Rowe, das ebenfalls von MB nach 325.0 ausdrücklich freigegeben ist. Der Fünfliterkanister hat 28,30 Euro gekostet.

Wer rastet der rostet

21.12.2025  Am sonnigen und trockenen 4. Adventssonntag darf der SL für eine längere Ausfahrt aus der Garage. Solche Aktionen machen Ein- und Auswinterungsaktionen überflüssig und wecken die Lust auf die kommende Saison. 

Übrigens: seit dieser Saison funktionieren die elektrischen Sitzverstellungen auf beiden Seiten einwandfrei und bei jeden Temperaturen. Zuvor hatten sie vier  Jahre lang rumgezickt, trotz Nachlöten der Platinen der Bedienschalter. Offensichtlich waren hier Selbstheilungskräfte am Werk.

Qualität

25.10.2025  Ich bin immer wieder begeistert, wie hochwertig die Verarbeitung und die verwendeten Materialien sind. Auch nach 34 Jahren ist nichts zerbröselt, gerissen oder ausgebleicht. Nichts klafft auf oder steht ab. Da fällt es leicht, das Auto ohne größeren Aufwand in einem gepflegten Zustand zu halten.

Veterama

11.10.2025  Bei superschönem Wetter gönne ich mir einen Besuch der Veterama in Mannheim und stelle fest, dass ich das Hardtop eine Woche zu früh montiert habe. Erstaunlich, wie viele Leute der Markt jedesmal anzieht. Diesmal waren auf dem Autoverkaufsgelände gleich mehrere R129 im Angebot. Aber alle in recht mäßigem Zustand und mit plusminus 25.000 EUR aus meiner Sicht auch überteuert. 

Motorkosmetik

10.10.2025  Der flache Zündkabelkanal hatte sich verzogen und wurde schon beim Kauf mit Klebeband zusammengehalten. Das ist nur ein optischer Mangel, aber da ich gerne unter die Haube sehe hat mich das immer gestört. Nachdem Mercedes auch hier einmal mehr mit hohen Originalersatzteilpreisen schockt, ordere ich für 24,90 Euro einen Nachbau. Der zweiteilige Kanal ist etwas fummelig zu montieren, weil die Zündkabel in eine bestimmte Reihenfolge gebracht werden müssen. Auch hier lässt sich das Nachbauteil nur durch die fehlende Teilnummer vom Originalteil unterscheiden. 

Wintersaison eingeläutet

10.10.2025  Mit dem Spätsommer wird das nichts mehr. Deshalb setze ich wieder das Hardtop auf. Schon fein, was sich die Stuttgarter Ingenieure ausgedacht haben, um eine ganzjährige Nutzung des Fahrzeugs zu ermöglichen. Alles gesteuert über einen einzigen Schalter. Nun werde ich mich wieder auf regelmäßige Bewegungsfahrten bei trockenem Wetter beschränken.

Bremsflüssigkeit prüfen

26.09.2025 Die Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch und ab einem Wassergehalt von 3 Prozent sollte man an einen Wechsel denken. Ein Test ergibt, dass sich meine Flüssigkeit noch ein gutes Stück davon weg befindet.

Fazit nach fünf Jahren

26.09.2025 Der SL fährt auch im fünften Jahr seit dem Kauf so zuverlässig, wie man das vom einstmals sündhaft teuren Technologieträger aus dem Schwabenland erwartet. Reparaturen waren im letzten Jahr nur in wenigen Fällen nötig und wurden allesamt in Eigenregie erledigt. Als bislang teuerster Brocken fiel der Tausch der Heckscheiben an. Ich hoffe, das hält nun wieder eine ganze Weile. Der Durchschnittsverbrauch hat sich auf 9,05 Liter/100 Kilometer gesenkt, auf Landstraßenfahrt habe ich einmal sogar fast die Siebenlitermarke erreicht. Wenn man bedenkt wie „modern“ der SL sich anfühlt und auch wirkt muss man schon staunen, schließlich kam das Auto vor nunmehr 36 Jahren heraus. An der Preissituation hat sich aber nicht viel geändert. Noch immer gibt es jede Menge Fahrzeuge zu vergleichsweise kleinem Preis im Angebot, darunter ganz ordentliche Exemplare. Von Wertsteigerungen wie andere Porsche und BMW-Typen kann der SL weiterhin nur träumen. Aber das ist auch nicht mein Ziel. Ich will das Cabrio ja fahren und es ist mir bewusst, dass ständig weitere dazukommende Kilometer - mittlerweile sind es 170.300 Kilometer - den Wert nicht steigern.

Hauptuntersuchung 

04.09.2025 Die Hauptuntersuchung führt diesmal der TÜV Nord durch. Mängel findet der Prüfer keine und bemerkt, dass der Abgaswert im Leerlauf von 0,03 % Vol. CO2  dem von Neuwagen entspricht. 158,00 EUR  beträgt die Prüfgebühr inzwischen. In den zwei Jahren bin ich 9.800 Kilometer gefahren, also fast auf den Punkt genauso viel, wie in meiner Oldtimerversicherung enthalten ist. Zu berichten gibt es kaum etwas: 

Luftdruck einstellen

15.09.2025 Weil ich nie Lust hatte, bei der Tankstelle herumzurangieren und auch zuhause keine Schlauchleitungen zum Kompressor ziehen noch mich über ungenaue Manometer ärgern wollte, habe ich mir vor vielen Jahren einen gebrauchten Profi-Reifenfüller zugelegt. Mit ihm macht die regelmäßige Luftdruckkontrolle Spaß. Mit 2,2 bar vorne und 2,8 bar hinten habe ich die besten Erfahrungen. Das entspricht der Empfehlung für „Vollladung“. 

Abdeckung Zündverteiler erneuert 

12.08.2025 Durch den mehrfachen Ein- und Ausbau der Schutzhaube ist die schwarze Abdeckung des Zündverteilers zerbröselt. Da das Teil nur die Aufgabe hat, die Schutzhaube mittels Rastvorrichtungen zu fixieren begnüge ich mich mit einem Nachbauteil für schlanke 11,35 EUR. Das ist weniger als ein Drittel, was das Original Mercedes-Teil kostet. Der Vergleich mit dem Originalteil beeindruckt sowohl vom Finish als auch der Passgenauigkeit. Auch die einlaminierten Metallscheiben und der Aufkleber für die richtige Zündkabelanordnung sind vorhanden. Im Prinzip fehlt nur die eingegossene Teilenummer.

Oldtimertreff im Autokino

09.08.2025 Im Autokino war ich bestimmt schon seit 30 Jahren nicht mehr. Die Kombination mit einem Oldtimertreffen lockt uns nach Kornwestheim bei Stuttgart. Im Daimler-Land ist der Fahrzeugbestand natürlich sehr Mercedes-lastig, aber auch viele US-Car-Klassiker haben den Weg dort hin gefunden. Die Stimmung war prima. Passend wird der Klassiker „Auf dem Highway ist die Hölle los“ gezeigt. 

Zündaussetzer beseitigt

05.08.2025 Eine Spritztour endet schon nach 500 Metern wieder in der Garage. Zündaussetzer! Ich verdächtige zunächst die Verteilerkappe, die nach der letzten Kontaktreinigung seit 20.000 Kilometern ihren Dienst tut. Bei der Demontage fällt mir der schwergängige Stecker des 5. Zündkabels im Verteiler auf, das Kabel halte ich nach leichtem Zug in der Hand. Der aufgeschnittene Stecker offenbart ein völlig korrodiertes Innenleben. Auch das andere Kabelende im Kerzenstecker lässt sich leicht aus der normalerweise fest gecrimpten Schraubhülse ziehen. In meinem Fundus fördere ich nicht nur einen Gummistecker mit identischer Teilenummer ans Tageslicht sondern auch ein Zündkabel Nummer 5 aus einem früheren Mercedes mit M103-Motor. Gut wenn man nichts wegschmeißt. So war die Reparatur mit Originalteilen „Plug an Play“ in wenigen Minuten erledigt und die Spritztour konnte mit gewohnt seidig laufendem Sechszylinder doch noch stattfinden. Natürlich habe ich bei der Gelegenheit die Kontakte im Zündverteiler und den Verteilerläufer blank gemacht.

Oldtimermeeting Baden-Baden

12.07.2025 Diese Veranstaltung soll zu den schönsten Oldtimertreffen gehören. Da das nicht weit weg ist fahre ich auch in diesem Jahr wieder hin. Der R 129 spielt keine Rolle. Den einzigen SL dieser Baureihe habe ich einmal gesehen, als Mercedes die jährlich wechselnde Gastmarke war. Der R107 und der Pagoden-SL waren dagegen zahlreich vertreten. Wahrscheinlich liegt es daran, dass der R129, obwohl er Oldtimerstatus genießt und die ältesten Fahrzeuge mittlerweile 36 Jahre alt sind, vom Design und Konzept her nicht angestaubt, sondern erstaunlich frisch wirkt. Mir machen bei solchen Treffen nicht die hochglanzpolierten Klassiker am meisten Freude sondern die Autos, die noch vor wenigen Jahren zu hunderttausenden herumfuhren und vom Straßenbild mittlerweile völlig verschwunden sind, wie ein Opel Rekord vom Ende der 1970er Jahre, ein Audi 80 von Anfang der 1980er Jahre oder ein Golf 1. Auch immer schön zu sehen, dass außer schwarz, silber und weiß früher auch noch andere Autofarben verbreitet waren. Wo gibt es heute noch ockergelb, himmelblau oder grasgrün?

Heckscheiben ersetzt 2

06.06.2025 Abgeliefert hat der Sattler meines Erachtens eine perfekte Arbeit. Ich hätte nicht geglaubt, dass man so exakt in die alte Naht nähen kann, so dass man von der Operation gar nichts sieht. Gleichzeitig hat er mir noch ausgeleierte Spanngummis ersetzt. Allerdings hat ordentliche Arbeit ihren Preis: 980,00 EUR zzgl. MwSt ist mein bislang größter Ausgabeposten. Als dringenden Ratschlag gab mir der Sattler auf den Weg, dass ich darauf achten soll, dass sich die Seitenscheiben "nach der richtigen Seite" einfalten. Seitdem werfe ich beim Dachversenken immer einen Blick nach hinten.

Heckscheiben ersetzt 1

06.06.2025 Die Hoffnung, dass sich die beginnenden Risse in der Heckscheibe nicht ausweiten hat sich nicht erfüllt. Eine ganze Weile würde das noch halten, aber da der Sattler meines Vertrauens seinen Betrieb Ende des Jahres mangels Nachfolger dicht macht, gehe ich die Reparatur jetzt an. Nach genauer Inspektion des Daches, wurde mir geraten, die drei Polyglasscheiben zu ersetzen. 

Gedankenspiele

31.05.2025 Ein inserierter SL 300 der Baureihe R230 nur wenige Kilometer entfernt von mir bringt mich für ein paar Tage ins Grübeln. 69.000 Kilometer in 15 Jahren gelaufen, top ausgestattet und ohne das komplexe ABC-Fahrwerk. Bei der Kontaktaufnahme stoße ich auf einen sehr netten Privatmann, der Unfall- und Nachlackierungsfreiheit ebenso zusichert wie einen Wartungsnachweis. Meine Recherchen ergeben, dass meinen R129 im Hinblick auf die verbaute Technik Welten von diesem Fahrzeug trennen. Würde ich an diesem Elektronik- und Technikmonster auch Reparatur- und Wartungsmaßnahmen selbst durchführen können wie jetzt? Dazu kommt, dass mein SL mit 1.650 kg im Gegensatz zu den 1.850 kg des 19 Jahre jüngeren Nachfolgers geradezu ein Leichtgewicht ist. Auch das Blechdach, das den Kofferraum zu einer Nische schrumpfen lässt ist nicht nach meinem Geschmack. Dazu kommt, dass meine Gattin meint, dass dieser Wagen im Gegensatz zum R129 überhaupt keinen Charme ausstrahlt. Ich beende darauf hin die Gedankenspiele, lösche das Inserat und erfreue mich weiter an meinem 34 Jahre alten Veteranen.

Ersatzteillager

29.05.2025 Da ich nicht beabsichtige, meinen 300 SL zu verkaufen halte ich die Augen nach günstigen Wartungs- und Ersatzteilen auf. Bei 13,95 EUR für sechs Zündkerzen oder 20,12 EUR für drei Ölfilter muss man einfach zuschlagen. Ich achte nur darauf, die Teile von seriösen Händlern zu kaufen, um keine billigen Teilekopien zu erhalten. 
Auf diese Weise hat auch schon ein nagelneuer Mittelschalldämpfer und ein neues Sitzkissen den Weg in meine Bestände gefunden.

Für Nachdenken sorgt die Situation, dass neue Originalteile ständig teurer werden und teilweise in Regionen angekommen sind, die ich einfach nicht bezahlen will, zumal man erfreulicherweise auf eine immer höhere Zahl von Gebrauchtteilen oder Nachbauten zurückgreifen kann. Wo es sich nicht um sicherheitsrelevante Teile handelt greife ich deshalb auf nachgefertigte Teile zurück, womit ich ausdrücklich keinen No-Name-Billigschrott aus Fernost meine sondern Teile von Markenherstellern bzw. Nachfertigungen renommierter Händler, deren Angebot immer weiter ausgebaut wird wie ich feststelle.

Undichter Wischwasserbehälter 2

09.05.2025 Erfreulicherweise gibt es meine Variante (kleines Volumen wegen benachbartem ASD-Behälter) gebraucht. Die Preise, die dafür aufgerufen werden liegen aber erstens allesamt deutlich über einem Neuteil, für das Mercedes 57,72 EUR haben will. Und zweitens bekäme ich dann ein Teil, das genauso alt ist wie mein schadhaftes. Ich bestelle deshalb das Teil zusammen mit einer neuen Tülle und einem Blindstopfen und wickle das erstmals über das Werks-Internet-Portal ab. Einige Tage später erhalte ich die Lieferung. Ich hoffe, nun ist für die nächsten 34 Jahre Ruhe. Wie sich einige Tage später zeigt, dichtet der Blindstopfen für die (bei mir nicht vorhandene) zweite Pumpe für die Scheinwerferreinigungsanlage nicht ab. Irgendwie kein Wunder, denn anstatt eines Gummistopfens wurde einer aus Kunststoff mitgeliefert. Zum Glück habe ich den alten nicht weggeworfen. Nun ist es wieder 100% dicht.

Undichter Wischwasserbehälter 1

09.05.2025 Am Tag nach einer längeren 1.Mai-Tour bemerke ich auf dem Garagenboden blau gefärbte Tröpfchen im Bereich des Vorderwagens auf der rechten Seite. Die Suche ergibt einen undichten Wischwasserbehälter. Zunächst verdächtige ich die Gummitülle der Scheibenwasserpumpe. Beim genauen Hinsehen stelle ich aber fest, dass sich ein Haarriss in der Behälterwand gebildet hat. Da ich befürchte dass sich der Riss verlängert sehe ich von Klebeversuchen ab und schaue mich nach einem Ersatzteil um. Der Ausbau des Behälters gelingt zu meiner Überraschung ohne größere Demontagearbeiten. Kabel und Schläuche sind so dimensioniert, dass man das Teil problemlos zerlegen kann. Die Innereien reinige ich bei dieser Gelegenheit natürlich.

Aha-Erlebnis

15.03.2025 Das Studium der alten Reparatur- und Wartungsrechnungen ist interessant und aufschlussreich. Im Zeitraum zwischen 2009 und 2016 war mein SL zwölf Mal in der Niederlassung. In den meisten Fällen für die vorgeschriebenen Pflege- und Wartungsdienste bzw. Hauptuntersuchungen, in einigen Fällen  wie zum Austausch des Zündanlassschalters oder der Verteilerkappe aber auch außerhalb der Intervalle. Akribisch wurden die vorgegebenen Service- und Zusatzarbeiten durchgeführt - und natürlich auch abgerechnet. Das konnte sich zu namhaften Summen aufaddieren, wenn größere Dinge gemacht wurden wie der Austausch der Bremsscheiben und -beläge oder der Ersatz einer Spurstange. Ich denke für die Halterin war es dennoch immer wieder ein gutes Gefühl, ihr Cabrio frisch gepflegt bzw. repariert in Empfang zu nehmen. Mir gibt es die Gewissheit, dass kein Wartungstau aufgetreten ist. Geklärt ist nun auch, warum beim Kauf nicht das Werksradio verbaut war: Aus der Tatsache, dass ein Gerät zum Einbau angeliefert wurde vermute ich, dass das originale nicht mehr funktioniert hat und entweder als Neuteil nicht mehr verfügbar war, oder aber der aufgerufene Preis als zu horrend empfunden wurde.

Beginnender Heckscheibenriss

09.03.2025 Was sehe ich beim aufgefalteten Softtop? Beginnende Risse an beiden Seiten der Heckscheibe. Es hält doch nichts ewig.  Das Dach befindet sich aber noch in einem viel zu guten Zustand, als dass man es komplett ersetzen müsste. Möglich ist auch nur der Ersatz des hinteren Teils mit den Scheiben. Ebenso der bloße Austausch der Kunststoffscheiben. Alle Arbeiten bleiben einem Fachbetrieb vorbehalten, mit Do-it-yourself ist da nichts. Als Sofortmaßnahme versehe ich den Ausläufer des Risses jeweils mit einer Einmillimeterbohrung. Fachleute sagen, dass das die weitere Rissbildung stoppt und Regentropfen sollen angeblich auch nicht durchkommen. Mal gespannt wie sich das weiterentwickelt.


Saisonstart

07.03.2025 Das Hardtop steht nach fünf langen Monaten wieder im Ständer. Die Saison `25 kann losgehen! Zunächst noch mit hochgefahrenen Seitenscheiben und aufgeklappten Windschott. Trotz der regelmäßigen Pflege der Dichtgummis sieht man auf dem Lack die Auflageflächen des Aluminiumdaches, die durch Wegpolieren zwar wieder verschwinden, dem Lack aber dennoch nicht wirklich guttun. 

Dadurch, dass ich den SL auch in der kalten Jahreszeit regelmäßig bewege, sind ansonsten keine weiteren Auswinterungsarbeiten nötig. 


Alte Dokumente bekommen

03.03.2025 Das Wartungsheft des 300 SL ist zwar vollständig abgestempelt und beim Kauf hatte ich einige ältere TÜV-Berichte dazuerhalten, der begehrte Leitz-Ordner mit allen Kaufbelegen und Rechnungen war aber leider nicht dabei. In verschiedenen Foren habe ich gelesen, dass sich Mercedes-Benz schwertut, alte Rechnungen herauszugeben. Ich habe deshalb die beiden Niederlassungen, bei denen mein Fahrzeug zur Betreuung war freundlich angemailt. Ich konnte kaum glauben, dass ich tags darauf schon Antwort hatte. Während die eine Niederlassung absagte (… nichts vorhanden, löschen wir nach zehn Jahren…) kamen von der anderen Niederlassung sage und schreibe 13 PDF-Dokumente von Reparatur- und Wartungsrechnungen zurückgehend bis ins Jahr 2009. Ich habe mich darüber sehr gefreut! 

Frühjahrsputz

22.02.2025 Der Saisonstart rückt näher. 18,5 Grad Celsius sind erfreuliche Frühlingsvorboten. Das Hardtop bleibt dennoch weiter montiert. Dafür bekommt der SL eine Handwäsche, die Gummiteile behandle ich mit einem Pflegemittel, die Gurte werden mit Silikonspray eingenebelt, damit sie sich leicht aus- und einrollen. Die Batterie erhält eine vollständige Ladung. Dazu verwende ich mein stabiles Bosch-Ladegerät, das mir schon seit rund 25 Jahre beste Dienste leistet und den Ladestrom elektronisch regelt.    

Die Betriebsanleitung rät, die Batterie für den Ladevorgang abzuklemmen. Die beim An- und Abklemmen unweigerlich auftretenden Spannungsspitzen scheinen mir aber für die Bordelektrik risikoreicher zu sein, weshalb ich immer bei eingebauter Batterie lade. Ich fixiere aber zunächst die Polklemmen und schalte dann erst das Gerät ein. Und ich wähle natürlich die Option „wartungsfreie Batterie“, die mit niedrigeren Ladeströmen operiert.

Bewegungsfahrt

08.02.2025 Den sonnigen und trockenen Tag nutze ich, um den 300 SL für das zu verwenden, wofür er einmal gebaut wurde: zum Fahren. Natürlich kutschiere ich nicht sinnlos herum sondern verbinde die Fahrt mit einem Ziel, in dem Fall ein Besuch einer Ausstellung über den Produktdesigner Louis Lucien Lepoix in Baden-Baden. Die Tour führt über eine Autobahnetappe in die Kurstadt und nach der Rheinüberquerung über französische Landstraßen wieder zurück. Nach rund 100 Kilometern darf der Wagen wieder in die Garage. Zwischen all den modernen und eintönigen Autos in Schwarz, silber und weiß wirkt der rote SL wie aus der Zeit gefallen.   

Fazit nach vier Jahren

07.12.2024 Nun habe ich den 300 SL schon seit über vier Jahren. Von Defekten bin ich weiterhin verschont geblieben. Wenn ich meine eigenen Aufzeichnungen so ansehe gab es dennoch immer wieder etwas zu tun. Hätte ich alles in einer Werkstatt machen lassen wäre das Auto schon ein Groschengrab und Wertsteigerungsphantasien wären utopisch. Weil ich alles selbst gemacht habe blieb es bei Materialkosten und mir macht das Schrauben ja Spaß. Dadurch lernt man sein Fahrzeug ja auch erst richtig kennen. Wert lege ich auf die Feststellung, dass mein Cabrio nicht restauriert oder aufgearbeitet ist sondern ich einigen Aufwand betreibe, um das Fahrzeug in einem originalen Pflegezustand zu bewahren. Das finde ich viel authentischer. Und ich benutze den SL für das, was er einmal gebaut wurde - nämlich zum Fahren. Klar kriegt er dadurch mehr Kilometer auf den Tacho was den Wert wieder mindert aber ich habe das Auto ja nicht als Wertanlage gekauft sondern zum Freude haben. Und die ist beim Fahren ohne Dach am größten. Dabei fällt mir auf wie selten der SL mittlerweile im täglichen Straßenbild geworden ist. Drollig finde ich, dass man sich begrüßt, wenn man sich beim Fahren begegnet - das kenne ich sonst nur vom Motorradfahren.   

Keine Prospekte mehr?

30.11.2024 Dass keine Prospekte mehr aufgelegt werden finde ich mehr als bedauerlich. Ich habe gelesen, dass nun auch Preislisten der Vergangenheit angehören sollen, stattdessen wird an den Online-Konfigurator verwiesen. Prospekte bilden viel mehr ab als die dürftigen Verkaufsangaben auf der Herstellerhomepage. Oft werden die Fahrzeuge in der Umgebung und mit Menschen der jeweiligen Zeit abgebildet. In alten Prospekten zu blättern ist deshalb eine Art Zeitreise und gehört für mich bei der Old- und Youngtimer- Liebhaberei einfach dazu. Wie ist das dann, wenn die Online-Informationen zu Gunsten des Nachfolgemodells eingestellt werden? Wo wird sich der Autoliebhaber in 20 Jahren informieren ? Fahrzeugtests in Autozeitschriften sind ja auch nur noch ein Schatten ihrer selbst, wenn man mit Testinformationen bis in die 90erJahre vergleicht. Wenn ich die heutigen mit digitalem Plumperquatsch versehenen Fahrzeuge so sehe bezweifle ich aber sowieso, ob sich dann überhaupt noch Liebhaber finden, die diese seelenlosen Autos besitzen und langfristig am Leben erhalten wollen.

Steinschlag selbst repariert

25.10.2024 Da mein SL nicht kaskoversichert ist wäre ein Glasschaden meine Sache. Ein Steinschlag mit Rissbildung nach zwei Seiten im Familiengolf hat mich dazu bewogen zu testen, ob eine Reparatur in Eigenregie möglich ist. Das Set hat 13,00 Euro gekostet. Es geht darum, das Werkzeug exakt über dem Einschlag zu positionieren und eine luftdichte Verbindung zum Glas herzustellen. Dann träufelt man das Resin-Harz in den Kolben und erzeugt mit der Spritze zunächst Unter- und dann Überdruck. Nachdem die Risse ausgefüllt sind nimmt man das Werkzeug ab, gibt nochmal Harz auf die Stelle und deckt das ganze mit einer transparenten Folie ab. Dann lässt man die Stelle per UV-Lampe aushärten und entfernt Rückstände mit einer Klinge. Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden. Zurück bleibt nur eine kleine trübe Stelle - besser haben es die Profis, bei denen ich das schon machen ließ, auch nicht hingebracht.

Pflichttermin seit 38 Jahren

12.10.2024 Im Jahr 1986 habe ich erstmals die Veterama besucht. Damals noch in und um die Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen und mein Fahrzeug war ein Opel Manta-A, der damals ein normaler Gebrauchtwagen war. Für Teile musste man keine Oldtimermesse bemühen: die gabs beim Opelhändler oder auf dem Schrottplatz. Mindestens ein jährlicher Besuch muss seitdem sein. Was mir auffällt: Früher gehörte ich zu den jüngeren - und heute ebenso. Ich habe den Eindruck dass die Oldtimer-Szene „mitgealtert“ ist und es soviel Nachwuchs nicht gibt. Im Gegensatz zu Manta-A-Teilen, die heute in Gold aufgewogen werden spielt der R129 bei den Ständen nicht wirklich eine Rolle. Auch bei den Verkaufsautos sind nur wenige SL zu finden. Trotzdem ist die Atmosphäre immer wieder schön. Das Wetter war sonnig - so bin ich standesgemäß im 300 SL angereist.

Hardtop montiert

06.10.2024 Mit der Montage des Hardtops läute ich die Herbstsaison ein. Um das zwar nicht sehr schwere aber unhandliche Dach ohne Lackkratzer zu montieren nehme ich eine dritte Person dazu, die die Zapfen in die Aufnahmen bugsiert. Erst in die hinteren, dann in die vorderen. Immer wieder beeindruckend, wie sich das Aluminiumdach verriegelt. Wie schon das Softtop verriegelt das Aluminiumdach bei mir aber nicht von ganz alleine. Ich muss ein wenig mit der Hand in der Griffmulde nachhelfen. Vorher habe ich die Auflagefläche der Dichtung sowohl am Gummi gereinigt und mit Talkum gepflegt als auch die betreffenden Lackpartien poliert. Daneben habe ich die Innenseite der Heckscheibe geputzt,  denn im aufgesetzten Zustand kommt man mit montiertem Windschott nur unter schlangenartigen Verrenkungen dran.   

Ölwechsel

21.09.2024 Obwohl ich mir sicher bin, dass das Motoröl noch für viele weitere Kilometer gut wäre, wechsle ich es nach 1,5 Jahren und 8.000 Kilometern. Auch diesmal bleibt das Absauggerät im Schrank und ich lasse das Öl nach Altväters Sitte ab. Um an den Ölfilter zu kommen muss das Luftfiltergehäuse demontiert werden. Eine gute Gelegenheit die Gelenke der Gasbetätigung zu schmieren und den Leerlaufschalter gängig zu halten. Der Ölfilter ist „stehend“. Obwohl ein Federventil verbaut ist kleckert es etwas. Deshalb stopfe ich um das Ölfiltergehäuse Lappen bevor ich den Filter herausdrehe. Genau fünf Liter Altöl kommen heraus. Zusammen mit den ca. 200 ccm im Ölfilter ergibt das einen Ölverbrauch von 0,2 Litern auf 1.000 Kilometern. Das geht völlig in Ordnung. Das Werk sieht bis zu 1 Liter /1000 km als normal an. 

Ölkauf

22.08.2024 Um im Herbst einen Ölwechsel machen zu können besorge ich mir sieben Liter Motoröl für 48,40 Euro. Ich erfahre, dass es mein bisher verwendetes Castrol GTX Ultraclean nicht mehr gibt. Es heißt jetzt nur GTX und befindet sich anstatt im silberfarbenen progressiv gestylten Behälter jetzt im weißen schlichten Plastikkanister - wie früher das Baumarktöl. Drin stecken soll nach Angabe des Herstellers aber die bewährte Qualität. Ich nehme wieder das 10W40 und stelle fest, dass die MB-Freigabe von 229.1 auf 229.3 hochgerutscht ist. Der Ölfilter kommt diesmal von Bosch. und hat 7,90 Euro gekostet. Wer hinter einem deutschen Hersteller „Made in Germany“ vermutet irrt aber. Ein Aufdruck auf dem Filter gibt Preis, dass er in Südafrika hergestellt wurde. Ich hoffe, dass er dennoch aus hochwertigen Materialien besteht und hohen Qualitätskontrollen unterliegt, sonst könnte man genausogut auf billige Chinaware zurückgreifen.

Das Schaltgetriebe

18.08.2024 Verbaut ist das serienmäßige 5-Gang-Getriebe GL76/27-5 mit H-Schaltschema. Auch ein guter Bekannter aus dem Mercedes-Baukasten. Im Gegensatz zum Sportgetriebe des 24-Ventilers ist der 5. Gang hier nicht direkt 1:1 ausgelegt, sondern um 0,8 untersetzt. Die Charakteristik geht damit in Richtung Drehzahlsenkung und Kraftstoffeinsparung. Dennoch wird die Höchstgeschwindigkeit im 5. Gang erreicht. Auf ebener Straße fehlt dem Motor aber die Kraft, bis in den Drehzahlbegrenzer (6.200 U/Min) zu drehen, das Erreichen der Nennleistung von 190 PS  bei 5.700 U/Min bedeutet gleichzeitig die Höchstgeschwindigkeit von 228 Km/h. Die Übersetzung ist gut gewählt: bei Landstraßentempo liegen bereits 230-240 NM Drehmoment an (max. 260 NM bei 4.500 U/Min), was ein zügiges durchzugstarkes Fahren auch ohne Zurückschalten ermöglicht. Durch das Zweimassenschwungrad werden Aufschaukelungseffekte beim Kuppeln wirksam vermieden. 

Der Motor 103

18.08.2024 Der M103 war bei der Präsentation des R129 ein alter Bekannter, wurde er doch schon im Vorgänger R107 und den Baureihen W124, W126, G-Modell und (als 2,6-Liter) im W201 eingebaut. Im Vordergrund der Entwicklung dieses Sechszylinders stand seinerzeit die Erzielung eines hohen Drehmoments ohne Abstriche bei der Leistung zu machen. Herausgekommen ist ein grundsolides Aggregat mit gusseisernem Motorblock und siebenfach gelagerter Kurbelwelle. Der Aluminium-Zylinderkopf mit kettengetriebener Nockenwelle in Zweiventiltechnik ist nach dem Querstromprinzip konstruiert. Für den SL wurden die Brennräume optimiert. Die Gemischaufbereitung übernimmt die bewährte Bosch KE-Jetronic, für sauberes Abgas sorgt eine großvolumige Katalysatoranlage mit zwei Keramikmonolithen. Der aus heutiger Sicht klassisch konstruierte und noch mit einem echten Zündverteiler ausgerüstete Motor hat eine lineare Leistungsabgabe, soll heißen: wer Leistung möchte, muss höhere Drehzahlen bemühen. Andererseits verfügt der Motor über ein  ordentliches Drehmoment, das schon bei niedrigeren Drehzahlen anliegt, weshalb durchaus schaltfaul gefahren werden kann. Der M103 blieb elf Jahre im Programm und zählt zu den langlebigsten Benzinmotoren des Stuttgarter Autobauers.

Kaffeesatzleserei

17.08.2024 Was hat den Käufer wohl bewogen, genau diesen SL zu bestellen ? Dass der Wagen am 50. Geburtstag der späteren Fahrerin, aber zunächst auf die Firma des Ehemanns zugelassen wurde, interpretiere ich als Geschenk eines erfolgreichen Unternehmers an seine Frau. Extras wie der Fahrer- und Beifahrerairbag, das automatische Sperrdifferenzial und der Feuerlöscher zeugen davon, dass Sicherheitsüberlegungen eine Rolle gespielt haben. Auf schwäbische Sparsamkeit deuten die getönten Scheiben anstatt einer Klimaanlage hin, ebenso, dass weder Lederausstattung noch Automatikgetriebe geordert wurden. Letzteres vielleicht, weil die Dame das Schalten von ihrem vormaligen kleineren Auto gewohnt war ? Das würde auch die Basismotorisierung erklären: 190 PS waren dann reichlich bemessen. Und auch das „mittlere“ Becker Grandprix 2000 steht für eine Attitüde, sich etwas gönnen zu wollen, ohne gleich das teuerste haben zu müssen. Etwas Luxus bringen die Metalliclackierung, die 8-Loch-Alufelgen, die elektrische Antenne, die Ausstiegsleuchten in den Türen und das Windschott, das gleichzeitig ein Statement ist, dass man offen fahren und genießen wollte. Und das dauerhaft, weshalb auch die Einbruchdiebstahlwarnanlage gekauft wurde - damals übrigens das meistbestellte Extra beim SL.

1991 liefen 25.709 SL vom Band. Die meisten gingen in die USA. In Deutschland blieben knapp ein Drittel. Der Rest ging nach Japan, England, Italien, Schweiz, Kanada, Frankreich und 42 weitere Länder.

Originalzustand

20.07.2024 Bei meinen früheren Autos war ich immer der Meinung, das es optisch noch etwas zu verbessern gibt: zumindest eine Tieferlegung, größere/breitere Felgen und eine ordentliche Musikanlage kamen fast immer zum Einsatz. Beim R129 wüsste ich nicht, wie er noch optimiert werden könnte. Deshalb bleibt er im Originalzustand der Werksauslieferung. Nachgerüstet werden weder weiße Blinker und Holz-Lederlenkrad noch andere Felgen, eine Lederausstattung oder ein modernes Radio-/Navisystem. Und es kommen auch keine Billigreifen oder Ersatzteile aus Fernost zum Einsatz. Gehegt und gepflegt werden auch die originalen Velour-Fußmatten. Dass die auch nach 33 Jahren noch im Einsatz sind und sogar noch gut aussehen spricht für den damaligen Qualitätsanspruch „Das Beste oder nichts“.

Stoffausstattung

19.07.2024 Serienmäßig wurde der SL mit einer Stoffausstattung in „Sportkaro“ ausgeliefert. Das Design soll wohl an alte Rennfahrzeuge erinnern und auch der Ur-300 SL war mit kariertem Stoff zu haben. Die Ausstattung war in allen Innenraumfarben (schwarz, blau, grau, beige, dattel, rot, braun und grün) erhältlich. In den allermeisten Fällen wurde aber die Lederausstattung geordert, die in den gleichen Farben erhältlich war. Man vergleiche übrigens mal mit der Farbauswahl heutiger Autos: Meist gibt es neben schwarz noch grau und allenfalls beige. Das wars dann. Der Rotstift lässt grüßen! Von den 204.940 Exemplaren des SL wurden gerade einmal 2.282 mit schwarzen Stoff ausgeliefert, das heißt nur etwa jeder hundertste blieb in der Standardausstattung, von den anderen Farben ganz zu schweigen. Ich nehme an, dass viele Stoffausstattungen später auch durch Lederausstattungen z.B. aus Unfallwagen ersetzt wurden. Entsprechend selten sind heute die Stoffausstattungen anzutreffen.

Für mich bieten die Stoffsitze nur Vorteile: die verwendeten Materialien sind robust und langlebig und die Problematik „im Sommer heiß, im Winter kalt“ tritt hier nicht auf. Außerdem wirkt der Wagen damit herrlich zeitgeistig. Ein solches Dessin sucht man in heutigen Autos vergeblich.

Heckscheiben poliert

12.07.2024 Das Verdeck ist offensichtlich schon einmal ersetzt worden, darauf deuten Scheiben mit Wopawin-Stempel aber ohne Mercedesstern hin. Die Kunststoffscheiben werden aber zusehends durch Ablagerungen und feine Kratzer undurchsichtiger. Da keine Risse zu sehen sind poliere ich die Scheiben auf. Dazu nehme ich eine Polymer-Politur, die ich mal auf der Veterama erstanden habe und sich bestens bei Lacken und Acryloberflächen bewährt hat. Anfänglich glaubte ich dass die Scheiben nun ruiniert sind, so stumpf und schlierig wirkte das Ergebnis. Aber nach etlichen Polierbewegungen stellt sich der Erfolg ein. Eine Knochenarbeit ist das aber, zumal man sehr konzentriert arbeiten muss um die (cremefarbene) Politur nicht an die schwarze Dachhaut zu bringen. Nach einer schweißtreibenden Stunde herrscht wieder Durchblick.

Bordwerkzeug

09.05.2024 Mittlerweile habe ich 15.000 pannenfreie Kilometer abgespult. Beruhigend, im Notfall auf Werkzeug zurückgreifen zu können, das durchaus tauglich ist. Das originale Bordwerkzeug ist noch unbenutzt. Der Inbus-Schlüssel ist eine Dreingabe von mir, damit könnte ich unterwegs die Verteilerkappe demontieren. Auch der manuelle Verdeckver- bzw. Entriegelungsschlüssel ist dabei. Ergänzt wird das ganze von einem soliden älteren MB-Taschenmesser., etwas Draht und Klebeband. Gebraucht habe ich in einem Fall lediglich den Verdeckverriegelungsschlüssel, nachdem das Verdeck unterwegs gestreikt hat. Seitdem sind auch Kopien aus dem Bordbuch mit dabei, die das nicht ganz einfache Prozedere beschreiben.

Rostgefahr

08.07.2024 Der R129 hat im allgemeinen wenig Rostprobleme. Verdächtig sind die Wagenheberaufnahmen und der Bereich unter der Heckdeckeldichtung, weil dort ein doppellagiges Blech verbaut ist. Die Schutzkante ist schnell demontiert und die Dichtung abgezogen. Tatsächlich sind Rostspuren erkennbar, komischerweise nur im linken Bereich. Ich entferne sie mit einer rotierenden Drahtbürste, und neutralisiere unvermeidliche Rostreste mit Fertan. Darauf kommt eine Rostschutzgrundierung und nach dem Trocknen flute ich alles mit technischer Vaseline aus Bundeswehrbeständen. Vorher habe ich den doppellagigen Blechbereich ordentlich mit dem Heißluftgebläse erwärmt, so dass sich das Fett in alle Ritzen zieht. Nach dem Erkalten ist alles schön versiegelt.

Winterquartier

29.02.2024 Glücklicherweise verfüge ich über eine Garage für den SL. Auch in diesem Winter hole ich den Wagen regelmäßig bei trockener Witterung heraus und gönne mir eine längere Fahrt. Damit umgehe ich Standschäden und muss mich nicht um die Batterie kümmern. Außerdem macht es Spaß und verkürzt die Wartezeit zum Frühling. Obwohl die Garage trocken und belüftet ist lege ich zwei Trockenpatronen in den Innenraum, um eventuelle Feuchtigkeit zu verhindern.

Den unbehandelten Betonboden, der stets gesandet hatte und Feuchtigkeit wie ein Speicher aufnimmt habe ich mit Kaliwasserglas behandelt. Durch die chemische Reaktion ist der Boden versiegelt. Wer.eine Verbesserung der Optik erzielen möchte sollte aber besser eine Beschichtung aufbringen.

Bewegungsfahrten

09.12.2023  Mit der Montage des Hardtops vermeide ich, dass das Stoffdach in der Garage einstaubt bzw. spare ich mir das Abdecken mit einem Tuch. Außerdem sehe ich den SL auch gerne mit dem Coupedach.

Betriebsanleitung

01.11.2023  Den SL kann jeder vollumfänglich bedienen, auch ohne einen Blick in die 140 Seiten starke Betriebsanleitung zu werfen. Ich blättere sie öfter mit Genuss durch. Mein 2005er CLK bietet da schon 440 Seiten auf - mehr als dreimal so viel! Sie strotzt vor Warn- und Unfallhinweisen vom Kaliber : "Achten Sie darauf, dass keine weiteren Personen, Tiere oder Gegenstände zwischen den Fahrzeuginsassen und dem Wirkungsbereich der Head-Thorax-Bags sind". Wie man die Assyst-Anzeige manuell zurückstellt steht aber nicht drin, hier wird man an die Niederlassung verwiesen.

Letzte offene Fahrt

15.10.2023  Nochmal einen Blick in den offenen Wagen werfen. Gleich wird das Hardtop montiert. Um Kratzer im Lack zu vermeiden ist eine dritte Person zu empfehlen, die darauf achtet, dass die hinteren Zapfen des Hardtops exakt in die Aufnahmelöcher eingeführt werden. Das Aluminiumdach wiegt zwar nur 35 Kilogramm ist aber unhandlich. Geparkt wird das Hardtop bei mir in einem speziellen Ständer mit Rollen, der leicht zu rangieren ist.

Wertentwicklung

03.10.2023  Schon seit geraumer Zeit wird der R129 als kommender Klassiker gehandelt. Ebenso lange verharren die Preise aber auf einem relativ geringen Niveau - begehrte AMG-Versionen oder neuwertige Autos mit geringsten Laufleistungen mal abgesehen. Preissprünge nach oben wie die Porsche-Baureihen 964, 993 oder die BMW 8er Coupes der gleichen Baujahre sind nicht zu verzeichnen. Mäßige Exemplare sind deutlich unter 10.000 Euro zu haben, bis 20.000 Euro gibt es ein breites Angebot. Es gibt halt zuviele SL, von dem über 200.000 Stück produziert wurden und der Nachschub aus USA und Japan rollt. Ich glaube deshalb nicht an eine Wertsteigerung, allenfalls an einen Werterhalt. Aber das ist ja auch schon was.

Wer's nicht glaubt

26.09.2023  Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 9,13 Litern Super E5 / 100 km. Ich fahre zugegebenermaßen keine Kurzstrecken, meide Stadtverkehr und schwimme gemütlich im Verkehr mit. Mein Minimalverbrauch liegt bei 8,08 Litern.
 
192 Euro Kfz-Steuer und 75 Euro Haftpflicht im Jahr, 9 Liter Verbrauch, kein oder nur geringer Wertverlust - keine nennenswerten Reparaturen, geringe Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten, ich glaube so ein günstiges Fahrzeug hatte ich noch nie.

Zwischenfazit nach drei Jahren

26.09.2023  Der SL ist wirklich eine Ausnahmebaureihe. Kaum zu glauben, wie solide das Fahrzeug konstruiert und gebaut ist. Auch nach 32 Jahren quietscht und klappert nichts. Rost ist nicht zu entdecken, die verwendeten Materialien sind langlebig, kein Teil der Innenausstattung hat Risse oder UV- Schäden. Alle Reparaturen und Wartungsarbeiten konnten in Eigenregie erledigt werden, die benötigten Teile waren problemlos neu oder gebraucht aufzutreiben und das Fahren macht einfach Spaß. Zwar ist einiges an Elektronik verbaut, aber die Steuergeräte sind nicht miteinander verblockt wie heute üblich sondern befinden sich beim jeweiligen System. Das erleichtert die Diagnose und Reparatur ungemein.

TÜV-Hauptuntersuchung

08.09.2023  Und schon wieder sind zwei Jahre rum. Der Prüfer zeigt sich ziemlich begeistert vom Zustand des Wagens. Dass seit der letzten Hauptuntersuchung fast 9000 Kilometer unter die Räder genommen wurden bezeichnet er als außergewöhnlich. Autos dieser Kategorie würden nicht selten nur 800 bis 1000 Kilometer zwischen zwei TÜV- Terminen bewegt. Sein Kommentar: "Beim besten Willen ist nichts zu finden". Er honoriert das in seinem Bericht mit dem Zusatz: "Das Fahrzeug ist außergewöhnlich gut gepflegt". Sowas lese ich natürlich gerne.

Airbaghaltbarkeit

20.04.2023  Ob die 32 Jahre alten Pyro-Gurtstraffer und Luftsäcke im Ernstfall noch zünden? Anfänglich hatte Mercedes ein Verfallsdatum von zehn Jahren angegeben, was man auf den Aufklebern im Türausschnitt nachvollziehen kann. Danach hat Mercedes diese Vorgabe wieder aufgehoben und man geht davon aus, dass die Airbags ein Autoleben lang funktionieren. 

SRS Steuergerät ersetzt

20.04.2023  Normalerweise leuchtet die SRS-Leuchte bei Schlüsselstellung 1 auf und verlischt dann nach einigen Sekunden. Bei mir geht sie danach aber wieder an und leuchtet dauerhaft. Das Diagnosegerät wirft Fehler 2 aus „Kann Selbsttest nicht ausführen“. Nachdem das Reinigen des Schleifrings im Lenkrad und eine Kontrolle aller Steckverbindungen keine Besserung bringt bleibt nur der Austausch des Steuergeräts. Jede Ausführung (nur Gurtstraffer, Airbag, Beifahrerairbag) hat seine eigene Ersatzteilnummer und es gibt Nachfolgenummern. Von einer MB-Niederlassung habe ich die korrekte Teilenummer, das Gerät ergattere ich dann über einen Teilehändler. Über den Einbau wacht ein Kfz-Meister. 

Motoröl- und Filterwechsel

20.04.2023  Business as usual: Wechsel des Motoröls und des Filters. Ich bleibe beim mineralischen Castrol GTX 10W40 und beim "langen" MANN-Filter. 

Schlechte Erfahrungen habe ich beim Kauf eines MANN-Luftfilters NOS (new old stock) aus einer Werkstattauflösung gemacht. Das Teil war offensichtlich überlagert. Nach einem Jahr war die Gummidichtung mehrfach gerissen und es wurde ungefilterte Luft gezogen. Ein überflüssiger Kauf! Ein neues Bosch-Teil tut nun seinen Dienst.

Das Erlebnis unterstreicht aber eines der größten Probleme von Young- und Oldtimern mit hohem Anteil von Kunststoffteilen: die Weichmacher entfleuchen und die Teile werden extrem brüchig. Deshalb vermeide ich jede überflüssige Demontage.

Handpolitur

07.03.2023  Wenn es so gar nichts zum Warten oder Reparieren gibt kann man die Bude zum Saisonstart mal auf Hochglanz bringen. Ich benutze eine Politur und danach ein Konservierungswachs auf Carnaubabasis, das nebenher herrlich duftet, beides aus Petzold-Beständen. Natürlich in schweißtreibender Handarbeit. Die 160 Euro, die der Aufbereiter um die Ecke dafür genommen hätte bleibt in meiner SL-Kasse. Das Ergebnis beeindruckt auf jeden Fall: so einen glatten spiegelnden Lack hat ein heutiger Neuwagen nicht.

Diagnosegerät

13.07.2022  Viele Bauteile verbergen sich nicht in dem Gerät, das in etwa so groß ist wie eine Filmdose. Im Internet kursieren sogar Anleitungen zum Selbstbau. Die 69,90 EUR waren mir das Teil aber trotzdem wert, zumal ausführliche Informationen zur Diagnose mitgegeben werden.. Die Handhabung ist einfach. Die altmodisch per Blinkfrequenz ausgeworfenen Fehlercodes lösche ich erstmal. Danach funktioniert sowohl das Dach wie auch der Überrollbügel wieder einwandfrei. Uff! Ich lese nach, dass mehrere über Jahre abgelegte Fehler dazu führen können, dass das Verdecksteuergerät seinen Dienst einstellt. Das war hier offensichtlich der Fall.

Diagnosebuchse

13.07.2022  Schon am übernächsten Tag ist das Diagnosegerät zugestellt. Nach dem Studium der Bedienungsanleitung nehme ich meine flapsigen Gedanken zurück. Erstaunlich, welchen Fehlern im Auto man mit diesem Gerät auf die Spur kommen kann. 

Das Dach schließt nicht

11.07.2022  Trotz verzweifeltem Drücken des Verdeckschalters bleibt das Softtop an diesem Tag im Kasten. Auch der Überrollbügel macht keinen Mucks. Das ändert sich auch nach dem manuellem Schließen und Öffnen des Daches nicht. Das Schlaumachen in den einschlägigen Foren ergibt, dass man vor jeglichen aktionistischen Eingriffen in die komplexe Dachsteuerung und -hydraulik zunächst den Fehlerspeicher auslesen sollte. Ein Fehlerauslesegerät für die 16-polige Buchse aus der Diagnosesteinzeit ist schnell bestellt. 


Fünftes Rad am Wagen

02.06.2022  Das Reserverad im SL entspricht der Fahrbereifung und bietet im Fall der Fälle vollwertigen Ersatz. Es hat übrigens noch einen weiteren Zweck: bei einem Auffahrunfall von hinten erfüllt es eine aufpralldämmende Wirkung. Das schwere Rad unter den Kofferraumboden eingefädelt zu bekommen ist aber Millimeterarbeit.

Was ich nie verstehen werde ist, warum im Werk Auswuchtgewichte auf die Felgenhörner gehämmert wurden. Ich lasse die Räder mit Klebegewichten auf der Innenseite auswuchten. 

Heckklappendämpfer ersetzt

02.06.2022  Damit man bei der Kontrolle des Reserverades nicht versehentlich geköpft wird bietet sich ein Ersatz der beiden Kofferraumdeckelgasdruckfedern an. Diesmal habe mich gegen Nachbauten und für die teueren originalen Stabilus-Dämpfer für knapp 40 Euro entschieden. Nun schwingt der Deckel wieder elegant auf und fällt vor allem nicht wie eine Guillotine ins Schloss. 
Achtung! Es gibt zwei Ausführungen: vor und nach einer bestimmten Fahrgestellnummer. Woher ich das wohl weiß??

Gasdruckfeder des Mittelkonsolenfachs ersetzt

14.10.2021  Dass auch der Deckel des Mittelkonsolenfachs per Gasdruckfeder aufschwingt wusste ich gar nicht und habe ich zufällig erfahren. Das zierliche Originalteil in der Größe eines Füllfederhalters ist nach 30 Jahren natürlich tot. Ich ordere ohne groß nachzudenken ein No-Name Ersatzteil für 12,90 EUR, bin aber nicht ganz zufrieden damit: Zwar schwingt der Deckel nun auf Knopfdruck wieder automatisch auf, aber die Gasdruckfeder hat zu viel Power. Um die Verschlussmechanik und die filigranen Scharniere nicht zu sehr zu stressen entlaste ich den „Öffnen“-Knopf beim Drücken und bremse den hochschnellenden Deckel mit der Hand. 

H-Zulassung

03.09.2021  Ab heute ist mein 300 SL ein Oldtimer. Die Begutachtung war im Prinzip eine Hauptuntersuchung, nur dass zusätzlich noch Bilder gefertigt wurden. Mein Hinweis, dass die letzte Hauptuntersuchung gerade mal sechs Monate zurückliegt interessiert nicht. Kostenpunkt: mit AU: 160,00 EUR. Da mein Kennzeichen (Initialen und Geburtsjahr *Grrrrr)  bereits acht Stellen hatte musste ein neues zugeteilt werden. Also weitere Kosten mit neuen Schildern von 50,00 EUR.

Dafür fällt die Kfz-Steuer von 453 EUR (Euro 1) auf knapp 192 EUR und die Haftpflichtversicherung von 173,00 EUR auf 75,00 EUR/Jahr bei 5.000 km Fahrleistung. Bereits im ersten Jahr rentiert sich die H-Zulassung also.

Das Fahrgefühl hat sich nicht verändert. Aber wer weiß, wofür die H-Zulassung mal gut ist. 

Immer wieder ein schönes Erlebnis ist, dass der SL ältere Mechaniker zum Schwärmen bringt. In dem Fall den 80-jährigen Inhaber des Boschdienstes, in dessen Hallen die Begutachtung stattfand. Er erläuterte mir die durchdachte Funktionsweise und Qualität der KE-Einspritzung und weist darauf hin, dass diese Art der Gemischaufbereitung längst nicht mehr zum Ausbildungsinhalt heutiger Mechatronikergenerationen zählt. Nicht sehr beruhigend!

Elektrische Sitzverstellung zickt

05.08.2021  Bereits beim Kauf hatten sich die elektrischen Sitzverstellungen divenhaft gezeigt. Während sie bei hohen Temperaturen meist zu 100% funktionieren, tun sie das bei kühleren Temperaturen nur teilweise. Das klingt nach kalten Lötstellen. Die Sitzverstellschalter in den Türen sind leicht auszubauen, zu zerlegen und nachzulöten. Abhilfe hat das aber nicht gebracht. Offensichtlich liegt es an den Steuergeräten unter den Sitzen, an deren Platinen ungleich schwerer heranzukommen ist. Da die Sitze optimal eingestellt sind und sowieso nur ich hinter dem Lenkrad Platz nehme, schiebe ich diese Reparatur guten Gewissens auf. 
Wer genau hinschaut sieht, dass das Holzelement der Sitzverstellung mit einer Silikonnaht fixiert ist. Die unterdimensionierten Plastikhalterungen waren auch hier gebrochen. Der Ersatz erfordert Aufwand, den man sich offensichtlich gespart hat. Immerhin wurde keine Spaxschraube ins Holz gejagt, was man ab und an sieht. Ich habe die Halterungen durch selbst konstruierte Metallklammern und -zungen ersetzt. Das hält dauerhaft.

Fahrspaß

01.08.2021  Das Fahren macht mir große Freude, was maßgeblich am Schaltgetriebe liegt. Der Motor läuft seidenweich und ist viel kräftiger und durchzugsstärker als allgemein vermutet wird, zumal er im leichtesten aller R 129  nur 1.650 Kilogramm Fahrzeugmasse bewegen muss. Die Getriebeübersetzung ist so ausgelegt, dass der 5. Gang Fahrgang ist. Der Motor hängt gut am Gas und hat einen sonoren Klang. Am liebsten fahre ich offen mit heruntergelassen Seitenscheiben und abgeklapptem Windschott. Der Verbrauch pendelt sich bei durchschnittlich 9,3 Litern Super E5/100 km ein. Gleichwohl vermittelt das Getriebe mit seinen langen Schaltwegen eher Bus- als Sportwagenfeeling. Wer den Dreh raushat kann den kleinen SL dank seiner sehr gut gewählten Gangübersetzungen aber erstaunlich behände um die Ecken treiben, wie ein zeitgenössischer Autotest von 1989 urteilte.

Alles im Griff

25.06.2021  Das Lederlenkrad hat den stolzen Durchmesser von 40 Zentimetern. Das sieht ein wenig limousinenhaft aus, hat aber den Vorteil dass Tankanzeige und Zeituhr ohne Verrenkungen ablesbar sind. Kurz nach Produktion meines SL hielt die mit dem W140 eingeführte neue Lenkradgeneration Einzug, die mit 39 cm etwas kleiner ist.

Servolenkungsöl aufgefrischt

25.06.2021  Das Hydrauliköl der Servolenkung ist fast schwarz und riecht unangenehm stechend. Eine Auffrischung kann nicht schaden. Ich schreibe bewusst Auffrischung, denn der komplette Wechsel ist aufwändig und erfordert ein Öffnen des Systems. Ich besorge geeignetes Fuchs Titan PSF Öl nach MB Spezifikation 236.3 und den passenden Filter MANN H85. Mehrmals sauge ich das alte Öl ab, fülle es mit neuem auf und bewege dazwischen die Lenkung mehrfach von Anschlag zu Anschlag. 

Das mache ich so lange, bis ein Liter in den Ölkreislauf eingebracht ist.

Motoröl- und Filterwechsel

18.06.2021 Der erste Ölwechsel. Ich verwende ein mineralisches 10W-40 Marken-Mehrbereichsöl mit MB-Freigabe 229.1. Die Ölsorte und Viskosität ist eine Glaubensfrage. Ich bin der Auffassung, dass in den betagten M103, dessen Konstruktion auf Ende der 1970er Jahre zurückgeht kein teures vollsynthetisches Öl eingefüllt werden muss. Schon zweimal nicht, da ich meinen SL nicht "sportlich" bewege und ich aufgrund der geringen Fahrleistung das Öl sicher zu früh als zu spät wechsle. Den früher üblichen "langen" Ölfilter gibt es von MB nicht mehr. Verbaut wird der "kurze" Filter wie im Vierzylinder M102. Den hatte mein scheckheftgepflegter SL auch drin. Unter der Nummer W719/13 gibt es bei MANN noch die lange Ausführung, die ich auch verwende, weil man damit besser hantieren kann.. Der Ölwechsel erfolgt oldscool über die Ölablasschraube. Das elektrische  Absauggerät bleibt im Schrank.

Hauptuntersuchung beim TÜV

09.03.2021 Die Hauptuntersuchung steht an. Der Prüfer bemängelt, dass die Spurstange rechts innen am Gelenk ausgeschlagen ist. Gut, dass ich den SL bei einer Werkstatt vorgefahren habe. Eine neue Spurstange von Febi-Bilstein wird rasch besorgt und eingebaut und die Nachprüfung erfolgt am nächsten Tag. Die Aktion erhöht die Prüfgebühr um zusätzliche 81,24 EUR. 

EIN Mangel am 30 Jahre alten Auto. Nicht schlecht ! 

Vor-Mopf

04.02.2021  12 Jahre lang wurde der R129 produziert und erlebte zwei Modellpflegen („MoPf“). Jede Entwicklungsstufe hat ihre Reize, mir gefällt der „Vor-Mopf“ aus mehreren Gründe am besten: Bruno Sacco verzichtete zu Gunsten der Gesamtform auf jede Sicke, Kante und aufgesetzten Zierrat. Auch der Innenraum ist äußerst nüchtern gestaltet. Gerade deshalb wirkt der Wagen heute zeitlos modern. Die Mopf's wirken bemüht moderner. Modellpflegen machen die Hersteller ja nicht von ungefähr, sondern weil sich der Zeitgeist und die Konkurrenz weiterentwickelt hat. Rundliche Außenspiegel, Front-/Heckschürzen sowie Zierelemente verwässern aber das ursprüngliche Konzept. Der Verzicht auf die Kontrastfarbe der Stoßfänger und Saccobretter zu Gunsten eines farblichen Uni-Looks ist aus meiner Sicht ein gestalterischer Rückschritt, weil die optische horizontale Gliederung entfällt, die den SL schlanker machte. Und für den Vor-Mopf spricht natürlich die Qualität, weil danach bekanntermaßen der Rotstift angesetzt wurde.

Zündkerzenwechsel

25.01.2021  Obwohl ich sonst darauf achte, Teile von deutschen Produzenten zu verwenden greife ich bei den Zündkerzen zum japanischen Hersteller NGK und verbaue die BP6EFS. Laut vielen Foreneinträgen sind das die geeignetsten Kerzen für den M103. Kostenpunkt: 15,49 EUR für sechs Stück inklusive Versand.

Knebelschraube repariert

23.01.2021  Die Kofferraumverkleidung an der rechten Seitenwand ist mit einer Knebelschraube aus Kunststoff befestigt, die gerne abbricht, so auch in meinem Fahrzeug. Der Plastikkopf ist mit einem Metallclip gesichert und deshalb noch vorhanden. Zwar hält die Verkleidung auch ohne Schraubengewinde, aber es soll ja alles voll funktionstüchtig sein. Die Unlust eines zweimaligen Weges zur MB-Niederlassung (Meine Erfahrung: "Müssen wir bestellen, ist morgen da") hat mich zur Bastellösung greifen lassen: Sicherungsring abhebeln, den abgebrochenen Schraubenstumpf plan abschleifen. Passende Schraube suchen, Kopf absägen, Plastikkopf entsprechend aufbohren, Schraube möglichst weit reindrehen. Ergebnis: Von außen nicht zu sehen und hält wahrscheinlich dauerhafter als das reine Plastikteil.

Türklappen befestigt

23.01.2021  Das Scharnier an der Fahrertür beginnt zu brechen und die Klappe wackelt. Ein Blick auf die Ersatzteilpreise (für einen neuen Deckel mit Scharnier werden 300 Euro aufgerufen) ermuntert mich zu einer Reparaturlösung.

Als erstes verstärke ich die Lager der Scharnierfedern mit Aluminiumprofil. Die gebrochene Leiste verstärke ich von hinten mit gleichem Material und Kunststoffkleber "verschweißend".

Die abgebrochenen Haltepunkte durchbohre ich und setze an den Löchern der dahinterliegenden Metallschiene Schnappmuttern ein. Das Scharnier schraube ich dann mit schwarzen Schrauben und Unterlegscheiben an. Meine Lösung macht nix kaputt und kann von Originalitätsfetischisten aufgerüstet werden. Zum Beispiel mit einer Nachbau-Scharnierleiste für rund 130 Euro pro Seite.

Dann muss aber die Türverkleidung ausgebaut werden, was meine Lösung nicht erfordert.

Hardtop saniert Teil 3

05.01.2021  Den Kleber nicht zu dick auftragen, der Schaumstoff darf nicht durchtränkt werden. Deshalb ist eigentlich das Sprühverfahren besser. Erst eine Hälfte beidseitig mit dem Rakel und/oder Pinsel einstreichen. Ablüften lassen. Verkleben. Dann die andere Hälfte. Der SL-Himmel ist recht klein, so dass die Arbeit überschaubar bleibt. 

Verwendet habe ich flammkaschierten Himmelstoff mit 2,5 mm Schaumschicht in hellgrau, dem Farbton der Haltegriffe. Ein Meter (der Stoff ist 1,4 m breit) reicht. Kosten: 16,00 EUR. Pattexkleber war noch von der Motorhaubendämmmatte vorhanden. 

Hardtop saniert Teil 2

05.01.2021 Viel Vergnügen beim quadratzentimeterweisen Abpopeln. Zum Schluss mit Verdünnung abwaschen, damit auch die letzten klebrigen Reste verschwinden.
 

Nur das Zeug vom Sattlerfachbetrieb (Sprühkleber, muss mit der Sprühpistole und Kompressor verarbeitet werden) oder das klassische Pattex aus der Büchse „bis 110 Grad Celsius“ hält wirklich. Da es Winter war und ich die Aktion im Keller durchführen musste habe ich mich für die Pattex-Variante entschieden. 

Hardtop saniert Teil 1

05.01.2021  Nach einer winterlichen Fahrt hängt der Himmel  des Hardtops durch.  Ihn wieder zu verkleben ist nicht möglich; der Schaumstoff hat sich aufgelöst und ist zur klebrigen Masse mutiert. Darauf hält kein Kleber. Also runter mit dem Hardtop und ab in den Keller. Ich bin so vorgegangen:

Zum Freilegen der Dachhimmelschale müssen die Holmverkleidungen ab. Ganz vorsichtig vorgehen, die Haltenasen sind sehr brüchig.

Den Dachhimmel kann man dann abziehen. Zurück bleibt die klebrige Masse an der Dachhimmelschale. 

Der originale Dachhimmel besteht aus Kunstleder. Ich habe stattdessen einen speziellen Dachhimmelstoff bestellt, weil der einfacher und ohne Faltenwürfe in die Rundungen zu kleben ist. 




Spurensuche

22.11.2020  Warum hat der Wagen beim Kilometerstand 17.000 nach rund zwei Jahren ein Austauschaggregat bekommen? Forumskollegen haben Mutmaßungen: Bei den ersten M103 im SL gab es demnach Probleme mit den Nockenwellen (Temperguss vs. Hartschalenguss). Laut Motornummer ist meiner aber schon der 656ste. Nachträglich lässt sich das wohl nicht mehr aufklären. Eine Gussmarke am Motorblock ergibt, dass er 1993 hergestellt wurde, also im selben Jahr in dem er eingebaut wurde. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass es sich um kein wiederaufbereitetes Aggregat handelt, sondern um einen fabrikneuen Motor.  Darauf deutet auch hin, dass keine Motornummer eingeschlagen ist.

Dem M103 das Ölen abgewöhnt Teil 3

21.11.2020  

Ergebnis: das Hylomar quillt entlang der gesamten Gehäusenaht leicht heraus. Das sieht schonmal gut aus.

Nun kommt der schwierigste Teil: die Montage des Nockenwellendichtrings. Schwierig aus zwei Gründen: 1.) Er hat „nach hinten“ keinen Anschlag, muss also sehr präzise gesetzt werden, damit er an der richtigen Stelle sitzt und absolut rechtwinklig zur Nockenwelle steht, sonst ist er in kurzer Zeit hinüber. 2.) Die Dichtlippe muss gedehnt werden, um problemlos über den Nockenwellenstumpf geschoben werden zu können. Im ungünstigsten Fall biegt sie sich um und dichtet nicht, was man bei der Montage nicht sehen kann. Deshalb der Montagekonus von Mercedes. Die Dichtlippe muss leicht eingeölt werden. Kein Fett dazu verwenden. Die Außenfläche des Dichtrings muss dagegen trocken bleiben. Zum Einpressen bastelt man sich eine Hülse und zieht das ganze vorsichtig (immer wieder kontrollieren, ob der Ring gleichmäßig eingezogen wird) per Schraube, die im Gewinde der Nockenwelle Halt findet, in Position. Im Idealfall liegt der Dichtring plan zum Gehäuse an.

Die Montage von Zündverteiler und Ventildeckel sind dann erholsame Fingerübungen. Auch hier auf guten Sitz der Dichtungen und die richtigen Drehmomente achten.

Alles in allem hat mich das um die 3-4 Stunden Arbeit gekostet. Das war eine schöne Samstagvormittagarbeit. Seitdem ist die Stelle dicht und der Motor trocken.
 

Dem M103 das Ölen abgewöhnt Teil 2

21.11.2020  

Der Ausbau des Nockenwellen-simmerrings geht mit ein bisschen punktuellen Druck auf den Rand ganz gut. Notfalls nimmt man eine 30er Nuss und schlägt sie durch. Nur aufpassen, dass man das Gehäuse nicht beschädigt.

Die U-förmige Gummidichtung zwischen den Stirndeckelkästen war schon ziemlich ausgehärtet. Kein Vergleich zur elastischen neuen Dichtung. 

Jetzt alles schön saubermachen. Insbesondere alle Dichtflächen. Ich nahm dazu ein leicht schleifendes Scotch 3D-Flies. Tipp: den Steuerkettenschacht mit Lappen zustopfen, nicht dass dort etwas reinfällt. Die Auflageflächen des Ventildeckels nicht vergessen.

Die neue Dichtung wird trocken in die Nut eingelegt. Sie erhält an den Enden zum Zylinderkopf hin je einen Tupfen Hylomar. Dann den Gehäusedeckel im Bereich der Anlagefläche einseitig mit Hylomar bestreichen. Nicht zu viel, es geht hier um eine Dicht-Dicke im Zehntelmillimeterbereich. Ablüften lassen. Die Oberfläche der Gummidichtung leicht einölen, damit der Deckel bei der Montage drüberrutscht und nicht die Dichtung verzieht. Dann den Gehäusedeckel (nicht vergessen vorher die eine Schraube wieder locker reinzustecken) „in einem Rutsch“ aufsetzen. Dank zwei Passtiften positioniert sich das Teil selbst. Erst die untern, dann die oberen Schrauben auf Drehmoment festziehen. Eine Viertelstunde setzen lassen. Dann nochmals nachziehen.

 

Dem M103 das Ölen abgewöhnt Teil 1

21.11.2020   

Am "Bermudadreieck", auch bekannt als "Soll-Siff-Stelle" treffen Motorblock, Zylinderkopf, oberer und unterer Stirndeckel aufeinander. Der obere Stirndeckel ist gegen den unteren mit einer Gummidichtung, gegen den Zylinderkopf aber nur auf Passung, d.h. Metall-gegen-Metall geschraubt. Fast alle M103 werden hier inkontinent.

Zunächst habe ich mir die Ventildeckel- und Gehäusedichtung sowie den Wellendichtring der Nockenwelle besorgt, alles von Elring, dazu den Dichtungsring für den Zündverteiler und ein Tube Hylomar. Dafür habe ich rund 50 EUR bezahlt. Daneben habe ich mir von Mercedes noch für 14 EUR den Konus zur Montage des Nockenwellendichtrings geleistet. 

Los gehts: Luftfiltergehäuse demontieren, zwei Entlüftungsschläuche abziehen - je nach Zustand ersetzen.

Verteiler inkl. Verteilerläufer und Zündkabel demontieren. Die Teile kann man bei der Gelegenheit gut prüfen, reinigen und die Zündkerzenstecker durchmessen.

Der Ventildeckel saß recht fest. Vorsicht: das Teil ist so weit ich weiß aus Magnesium und empfindlich. Also mit Geduld (und ohne Hammerschläge) lösen und abheben.

Vier Schrauben des oberen Stirndeckels lösen. Die in Fahrtrichtung rechts unten platzierten Schraube muss nur gelöst werden und kann im Gehäuse verbleiben. Dann den Deckel mit einem Kunststoffhammer „von hinten nach vorne“ lösen und abnehmen.

Verölter Motor

20.11.2020 Nach der Demontage der unteren Abdeckung kommt man ganz gut an den Motorblock. Vom offensichtlichen Leck oben am Motor in Fahrtrichtung vorne rechts hat sich eine Menge Öl über die rechte Motorenseite bis zum Getriebe verteilt. Mit Bremsenreiniger und Lumpen ist das mit einigen Verrenkungen, aber dennoch gut zu reinigen. Nach einer kurzen Fahrtstrecke tritt aber erneut Öl aus, das sich durch den Fahrtwind rasch verbreitet. Im besten Fall rührt das von einer unzureichenden Abdichtung zwischen Motorblock und Stirndeckel her. Es kann aber auch eine defekte Zylinderkopfdichtung sein, die just an dieser Stelle aufgrund eines schmalen Steges zum Ölkanal gerne schwächelt. Dieses Risiko bin ich beim Kauf eingegangen. Als Optimist gehe ich aber nicht gleich vom Schlimmsten aus und widme mich zunächst einmal der Abdichtung des Stirndeckels.

Räder zusammengepuzzelt

20.11.2020 Eigentlich wollte ich die Werksfelgen aufarbeiten lassen. Der Kostenvoranschlag von 180 Euro pro Felge (Abdrehen des Felgenhorns und Lackierung) zzgl. MwSt und die dann fehlende Patina hat mich aber schnell von diesem Vorhaben abgebracht. Es ist mir dann gelungen,  vier originale Felgen aufzutreiben: Zwei Ersatzräder, zwei in sehr gutem Zustand. Zusammen mit meinem Ersatzrad habe ich nun einen perfekten Felgensatz. 
Unglaublich, welch überteuerter Schrott angeboten wird. Ich habe zwischen 115 und 150 Euro pro Stück bezahlt, das finde ich akzeptabel, zumal ich die Intrafelgen und Originalfelgen gut verkaufen konnte. 
Vor nicht allzulanger Zeit waren die 8-Loch- sowie die 15-Loch Gullideckelfelgen geschmähte Winterfelgen. Auch bei mir ging mal ein Satz einwandfreier Gullies für 200 Euro durch die Hände.

Bewegungsfahrten

20.11.2020  Um Standschäden aus dem Weg zu gehen bewege ich den SL auch in der Wintersaison regelmäßig. Natürlich nur an trockenen Tagen. Mit Hardtop und der leistungsfähigen Heizmatik (ich liebe dieses deutsche Kunstwort) ist der R129 ein vollwertiges Ganzjahresauto. Der Motor läuft auch bei tiefen Temperaturen rund. 


Motorhauben-Dämmatte erneuert

05.11.2020 An diese Arbeit bin ich nicht gerne gegangen. Das großflächige Abkratzen der Schaumstoffreste geht noch relativ problemlos. Das Entfernen der Klebstoffreste ist aber Sysiphusarbeit. Ich hatte immer kleine Flächen mit Nitroverdünnung eingepinselt und die aufgeweichten Reste dann mit einem Lappen weggewischt. Beim Verkleben bin ich in zwei Arbeitsschritten vorgegangen: Erst den vorderen Teil der Haube, dann den hinteren.  Verwendet habe ich Pattex Classic Kraftkleber "bis 110 Grad" aus der Dose, den ich flächig mit einem Pinsel aufgetragen haben - sowohl auf die Haube wie auf die Matte. Die Verklebung muss sehr präzise erfolgen. Eine nachträgliche Korrektur ist nicht möglich. 54,50 Euro für die Matte und 15,30 Euro für den Kleber werden fällig.

Originalen Feuerlöscher montiert

5.11.2020 Als Sonderausstattung wurde ein Feuerlöscher geordert und beim Kauf war auch einer vorhanden, aber es war kein Mercedes-Löscher und er steckte auch nicht in der originalen Aufnahmehalterung. Da der Löscher beim Ein- und Aussteigen durchaus im Weg ist kann ich nur vermuten, dass die Kunststoffhalterung irgendwann zerbröselt war und durch eine Drahthalterung samt größerem Löscher ersetzt wurde. Da ich nichts wegwerfen kann, habe ich in meinem Fundus einen neuwertigen Pulverlöscher aus einem C124, der laut Manometeranzeige im grünen Bereich sogar noch funktionieren dürfte. Eine originale Halterung habe ich in ebay gefunden und lag im Nachbarort. Da ein Befestigungspunkt ausgebrochen war musste ich nur zehn Euro berappen. Eine Unterlegscheibe fixiert das Teil wieder sicher (und unsichtbar) am Sitzrahmen. Ob der Löscher beim R129 bei Auslieferung nackt oder wie in der 124-Baureihe mit schwarzem Stoff bedeckt war konnte ich bislang nicht herausfinden. Da ich den knallroten Löscher zu auffällig finde bedeckt ihn bei mir eine Lage Schaumstoff. 

Rostgefahr Wagenheberaufnahmen

05.10.2020  Die Wagenheberaufnahmen sind bei allen Mercedesfahrzeugen  der 1980/1990er Jahre rostgefährdet. Der R129 macht da keine Ausnahme. Tückisch ist, dass man wegen dem Kautschuk-Unterbodenschutz oft nicht bemerkt, das es gammelt. Ich inspiziere deshalb alle vier Aufnahmen, kratze bei Bedarf die Schutzschicht weg und mache den Bereich um die Aufnahme blank. Rostreste neutralisiere ich mit Fertan. Darauf kommt Rostprimer und Lack in der Wagenfarbe. Das ganze wird aber nicht mehr mit Unterbodenschutz bedeckt sondern nur mit technischer Vaseline aus Bundeswehrbeständen versehen. Dazu erhitze ich den gesamten Bereich mit dem Heißluftgebläse. Die fettförmige Masse wird dann flüssig und kriecht in jede Ritze. Nach dem Erkalten ist alles schön versiegelt. Im Hochsommer fängt das ganze dann wieder an zu schwitzen und zu kriechen. Der Optik schadet das in dem Fall nicht, weil über den Wagenheberaufnahmen Deckelchen angebracht sind. 

Thermostat ersetzt

05.10.2020  Das Thermostat ist schnell gewechselt. Ein Mahle-Markenersatzteil war für 14,26 Euro zu haben. Vom Ablassen des Kühlwassers über den Hahn am unteren Kühlerkasten sehe ich ab. Zu groß ist die Gefahr, dass bei den Kunststoffteilen etwas abbricht was dann einen neuen Kühler bedeutet. Das ist aber auch gar nicht nötig, denn es muss nur etwas Kühlflüssigkeit aus dem Überdruckbehälter gesaugt werden, dann klappt der Wechsel ohne Kleckerei. Allerdings habe ich den Fehler gemacht, den dickeren der beiden beigelegten Gehäusedichtringe zu verwenden. Mit einem leisen „Knack“ verabschiedete sich das Thermostatgehäuse beim Festziehen. Der Ersatz schlug mit 45 Euro zu Buche. Nun steigt die Wassertemperatur schnell an und regelt sich dann bei knapp 90 Grad Celsius ein. 

Sonnenblenden-Rosetten erneuert

05.10.2020  Die Abdeckung für den Arm der Sonnenblenden besteht im original aus Kunststoff.und macht keinen besonders stabilen Eindruck. Bei mir sind beide zerbröselt. Ich ersetze sie durch Nachbauten aus Metall, die absolut passgenau sind. Mit ein bisschen Fummelarbeit können auch die Klemmscheiben der Achse zerstörungsfrei demontiert und wieder angebracht werden. Man hätte den Lack noch anschleifen bzw. die Teile mattschwarz lackieren können, aber das habe ich mir gespart.

Analog at it‘s best

03.10.2020 In der Mittelkonsole ist die Cassettenbox eingebaut. Im SL hat jede der sieben Boxen nicht nur eine „Belegt“-Anzeige, diese Anzeige ist auch beleuchtet! Das funktioniert mit einem zentralen Lämpchen und transparenten Lichtleitern. Ein kleines, aber wie ich finde sehr nettes Detail. 

Selbstverständlich sind Musikcassetten aus meinem Bestand von damals mit an Bord, die ich zum Glück nicht weggeschmissen habe. 

Heizungsbediengerät leuchtet wieder 

03.10.2020  Die Beleuchtung des Gebläsereglers funktionierte nicht. Beim Radiotausch habe ich das defekte Lämpchen ersetzt. Das Radio hat eine wunderbare Nachtbeleuchtung. Die Tasten des Cassettenteils leuchten erst, wenn es in Betrieb ist.

Bei der Gelegenheit habe ich die zweiteilige Antennentülle ersetzt. 30,39 Euro habe ich für die beiden Cent-Teile berappt. Wieder ein Beispiel für die selbstbewussten Ersatzteilpreise für den R129 - egal ob Originalteil oder Nachbauten. 

Für die simple Rasthalterung der Sonnenblende will der MB-Händler 71 Euro! Gehts noch ? Natürlich passt kein Teil einer anderen Baureihe. Ein Forumskollege schickt mir für 20 Euro ein Gebrauchtteil.

Richtiges Radio

03.10.2020  Die Radiosuche erschreckt mit Mondpreisen. Ich bin einfach nicht bereit, 600 Euro aufwärts für ein solches Gerät zu bezahlen. In den digitalen Kleinanzeigen finde ich nach einigem Stöbern schließlich ein sehr gut erhaltenes Exemplar mit zugesicherter Funktionsgarantie für faire 220 Euro. Sogar mit Codekarte. Das alte Gerät findet für 150 Euro einen Abnehmer, so dass für 70 Euro wieder originale Verhältnisse herrschen. 

Ich hatte schon viele Radios der 2000er Generation, ob als Europa, Grand Prix oder Mexico. Aus meiner Sicht war das der Höhepunkt im Autoradiobau. Die Kondensatoren machen mit zunehmendem Alter aber Probleme. Das kann man reparieren, braucht aber einen Fachmann, der bezahlt werden will.

Herrlich, wie das Antennenteleskop aus- und wieder einfährt. Sowas gibt's heute gar nicht mehr.

Sitzwange instandgesetzt

01.10.2020  Wie gut dass mein Vater Polsterermeister ist. Nachdem bei einer Sattlerei der originale Stoff in Fischgrät-Struktur besorgt wurde, hat er die aufgeschürfte Sitzwange komplett ersetzt. Als "Goodie" hat er mir einen speziellen Unterstoff eingenäht, der für Formstabilität des Schaumteils und zusätzliche Strapazierfähigkeit sorgt. Profi eben! Der Bezug  der Rückenlehne lässt sich übrigens sehr einfach aus-und wieder einklipsen. Dass die Sattlerei den Stoff als Kleinmenge abgegeben hat und nicht auf Abnahme eines laufenden Meters bestand fand ich sehr fair! Die 24,27 Euro habe ich gern bezahlt.

Von den 204.940 gebauten SL liefen 12.020 mit dem kleinen Sechszylinder vom Band. 7.468 wurden in almandinrot lackiert und nur 2.282 erhielten die schwarze Stoffausstattung, also nicht mal jeder Hundertste.

Zulassung

29.09.2020  Für die Zulassung ergattere ich eine Kennzeichenkombination mit meinen Initialen und meinem Geburtsjahr. Der Kilometerzähler sprang schon bei der Überführungsfahrt auf 148.000. Nicht wirklich viel für 29 Jahre und der Motor hat ja 17.000 Kilometer weniger auf dem Buckel. Der Blick ins Scheckheft ergibt, dass zu Anfang mehr gefahren wurde und die Jahresfahrleistung mit der Zeit immer weniger wurde. In den letzten Jahren war der Wagen fast gar nicht mehr im Einsatz. Dennoch wurden regelmäßig die vorgeschriebenen Wartungsdienste und Hauptuntersuchungen vorgenommen. Erst ganz zum Schluss, wohl nach dem Tod der Besitzerin, wurde der Wagen abgemeldet. 

Lackdickemessung

27.09.2020  Normalerweise macht man eine Lackdickemessung VOR dem Kauf. Das Prüfgerät bestätigt die Angabe des Verkäufers, wonach das hintere rechte Seitenteil nachlackiert wurde. Schichtdicken von bis zu 350 Mikrometer ab Werk waren möglich. Der linke Kotflügel und die  Fahrertür wurden ebenfalls schon einmal - perfekt - lackiert, wohl um Kratzer zu beseitigen. Natürlich hätte ich gerne ein nachlackierungsfreies Fahrzeug gehabt. Ein Auto 30 Jahre lang völlig unbeschadet durch den Verkehr zu bringen gelingt aber den Wenigsten. Wichtiger war mir, dass der Wagen unfallfrei ist, was mir zugesichert wurde. Unfallschäden konnte ich auch nach eingehender Suche keine entdecken. 

Der Lack ist übrigens wasserbasiert. Der SL übernahm die Pionierarbeit der neuen Technik. Die Problematik der bakteriell verseuchten Tauchbäder, die der späteren ebenfalls wasserbasislackierten W210-Generation das Image des Rostbombers bescherte trat beim R129 aber nicht auf.

Ganz schön smart

26.09.2020  Das, was in heutigen Autos ein Teil des „Fahrberechtigungsystems“ ist, ist hier tatsächlich noch ein echter Schlüssel. Neben der Bedienung der Zentralverriegelung und dem Starten lässt sich mit ihm auch die Einbruch-Diebstahlwarnanlage scharfschalten und deaktivieren, die Fenster zentral herunter- und hochfahren sowie die Kofferraumbeleuchtung an- und abschalten. Viel mehr kann der moderne, dafür potthässliche klobige "Schlüssel" meines CLK C209 auch nicht.

Falsches Radio

26.09.2020  Das Becker Grand Prix Cassette Electronic Stereo Kurier LMU Typ 761 funktioniert einwandfrei und gab es im SL tatsächlich, aber nur in den ersten beiden Baujahren. Der VIN-Decoder belegt, das in meinen SL das Grand Prix der 2000er-Serie gehört. Die entsprechende Bedienungsanleitung war noch in der Bordmappe. 

Bei dem 2000er-Gerät handelt es sich um das erste Beckerradio mit echtem RDS. Frühere Mexicos haben den Sendernamen per eingespeichertem Kürzel und ARI erzeugt. Nach Abschaltung von ARI erscheint nur die Frequenzanzeige. Erst die „späten“ Mexicos haben RDS. 

Also auf die Suche begeben. 


Alles vorhanden

26.09.2020  Das freut doch: Komplettes Bordbuch im originalen Lederetui. Wartungsheft lückenlos durchgestempelt. Neuer Motor im Aggregatepass eingetragen. Im Kofferraum der unbenutzte Werkzeugsatz. Auch das Verdeckverriegelungswerkzeug in der bebilderten Verpackung liegt bei. Dazu ein recht neuer Verbandskasten im originalen Kunstlederetui. Unbenutztes Reserverad. An Schlüsseln ist ein Hauptschlüssel, der Nebenschlüssel sowie der Flachschlüssel dabei.

Das Studium der Wartungseinträge ergibt, dass der Wagen regelmäßig genutzt wurde, doch selbst in den Anfangsjahren nicht übermäßig viel. Das lässt den Schluss zu, dass der SL nicht wirklich arbeiten musste sondern nur als Zweit- oder Drittwagen genutzt wurde. Nach der letzten Inspektion im Jahr 2016 stand er nur noch in der Garage, bis er dann nach dem Tod der Erstbesitzerin im Jahr 2019 - nach einer erneuten Inspektion und Bremsflüssigkeitswechsel - wieder zugelassen wurde. 

Der Kauf

26.09.2020 Wer schmort wohl mehr ? Der Verkäufer oder ich ? Nach einer Woche rufe ich mich in Erinnerung. Der SL ist noch da und der Verkäufer hatte sich zwischenzeitlich über einen möglichen Zylinderkopfdichtungsschaden informiert. "Kommetse halt, aber 250 Euro müssetse noch drauflega". Damit konnte ich gut leben, zumal sich der SL im absolut originalen und unverbasteltem Zustand befand und sich zwischenzeitlich kein vergleichbares Angebot aufgetan hatte. Auch die Farbe almandinrot-metallic gefällt mir außerordentlich gut. Nach Abschluss des Kaufvertrags und Montage des Hardtops geht es dann mit den alten Schildern problemlos über die A8 Richtung Heimat. Begleitet hat mich diesmal mein lieber Nachbar Roland, der ebenfalls einen 300 SL hat.

Was mir auffällt ist das „moderne“ Fahrgefühl des immerhin 29 Jahre alten Gefährts. Der Geruch des stark verölten Motors, der während der Fahrt in den Innenraum dringt diktiert hingegen den ersten notwendigen Sanierungsschritt. 

Die Ausstattung

20.09.2020  Der Wagen wurde zum 50. Geburtstag der Erstbesitzerin zugelassen, zunächst wohl aus steuerlichen Gründen auf das Unternehmen ihres Ehemanns, danach auf sie. Über die VIN und die alte Preisliste lassen sich weitere Informationen herauskriegen: 
Zum Grundpreis von 99.066,- DM wurden die Extras  Metalliclackierung, Fahrer- und Beifahrerairbag, automatisches Sperrdifferential, 8-Lochfelgen, die Einbruch- und Diebstahlwarnanlage, wärmedämmendes Glas, Beckerradio mit Motorantenne, der Feuerlöscher geordert. Auch die Ausstiegsleuchten in den Türen mussten extra bezahlt werden. Das summierte sich auf einen beachtlichen Listenpreis von 110.160,80 DM. Das war richtig teuer! Ein 190er war zu der Zeit für 34.000 DM zu haben, eine S- Klasse für 66.000 DM und ein VW Golf für 19.975 DM.
Kein Wunder, dass die Einbruch-Diebstahlwarnanlage an erster Stelle der beliebtesten Sonderausstattungen lag. Eine Wegfahrsperre gab es damals noch nicht. Über 70 Prozent aller SL wurden mit SA Code 551 bestellt. 

Besichtigung Negativ

19.09.2020  Der Motor ölt "vorne-oben-rechts" und läuft recht kühl, das Differential singt bei 80 km/h im Schiebebetrieb. Der Wagen steht auf  Intra Nachbau-Alurädern, die Originalfelgen mit Winterreifen haben schwere Bordsteinschäden. Die Fahrersitzwange ist aufgeschürft, die Motordämmmatte zerbröselt, die Kappe der Antennentülle fehlt, die Rosetten und eine Halterung der Sonnenblenden sind rissig. Die Sitzverstellungen mucken und das Radio ist nicht original. Das Wedeln mit 12.000 Euro in bar und mein Hinweis dass es sich bei dem Ölverlust um eine defekte Zylinderkopfdichtung handeln kann beeindruckt den Verkäufer nicht. "I lass mir den SL von Ihna net schlecht schwätza". 

Mit dem Bargeld, aber ohne SL treten wir die Heimreise an.

Besichtigung Positiv

19.09.2020  Ich treffe auf einen SL, der 28 Jahre in erster Damenhand war. 147.000 km gelaufen. Pünktlich alle 10.000 Km wurden Wartungs- und Pflegedienste bei der örtlichen MB-Niederlassung gemacht. Bei KM-Stand 17.000 hat der Wagen einen neuen Motor bekommen, was im Aggregatepass vermerkt ist.  Alle Borddokumente und einige ältere TÜV-Berichte sind vorhanden. Die Bremsscheiben und -beläge sind vor nicht langer Zeit erneuert worden, die Batterie ist neu. Das Hardtop ist dabei. Die Reifen haben die MO-Spezifikation und selbst der Scheibenwischer trägt den Stern - offensichtlich war der SL wirklich nur in Obhut der MB-Niederlassung. Das Verkäuferehepaar vom gleichen Ort kannte die Besitzerin und den Wagen und konnte ihn nach dem Tod übernehmen, trennt sich aber nach einem Jahr vor dem Hintergrund dreier weiterer Autos im Haushalt wieder. Die "Geschichte" passt also.

Das Inserat

18.09.2020  Im Schwabenländle wird ein interessanter 300 SL angeboten, der meinen Vorstellungen sehr nahe kommt: Keine Klima, keine Automatik, kein Leder, mit überschaubarer Kilometerleistung und nicht weit weg. Von langen Sondierungsgesprächen am Telefon halte ich nichts. Zu oft fand ich etwas ganz anderes vor als mir vorab mitgeteilt wurde. Ich mache den Verkäufern gar keinen Vorwurf. Man sieht sein eigenes Fahrzeug durch eine rosarote Brille und will einen Käufer auch locken. Mache ich ja genauso. Deshalb vereinbare ich ohne Umschweife kurzfristig einen Besichtigungstermin. Traditionsgemäß nehme ich dazu neben Bargeld meinen Vater mit. Vier Augen sehen mehr als zwei und mein alter Herr bewahrt mich auch vor euphorischen Schnellschüssen.

Die Suche II

August 2020  Um mich möglichst umfangreich zu informieren besorge ich mir zusätzlich Prospekte, Preislisten und Farbtabellen und lese mich in Testberichte und technische Daten ein. Das Internet macht dies einfach. Ich begnüge mich aber nicht mit Bildschirmabbildungen sondern besorge mir die Originaldokumente. Erst wer das mehrteilige und großformatige Händlerprospekt in den Händen hält kann ermessen, dass der SL wirklich ein Premiumprodukt war. Kein Vergleich mit „normalen“ Prospekten der Konkurrenz. In Gedanken wird der Traumwagen konfiguriert - wie hätte ich „meinen“ SL bestellt ? Das hilft bei der Suche und steigert die Vorfreude.

Die Suche I

August 2020  Die Portale sind voll vom R129. Es gibt auf der einen Seite viele tolle Fahrzeuge, die aber auch teuer bezahlt werden wollen. Am anderen Ende gibt es viele Exemplare, die schon im Inserat grottig wirken und teilweise mit Mängeln verkauft werden. Im Originalzustand befinden sich die wenigsten. Bei den Sechszylindern überwiegen die 24-Ventiler. Schaltgetriebe sind ganz rar. Stoffausstattungen noch seltener. Sehr hilfreich ist die Kaufberatung des Mercedes-Benz R129 SL Club e.V.. Wer sich grundlegend über die Baureihe schlau machen möchte kommt um dieses 250-Seiten-Nachschlagewerk nicht herum. Ganz starke Leistung! Ebenso hilfreich ist für mich das R129 Roadster Forum. Man bekommt ein ganz gutes Gefühl über die Schwachstellen und erhält jede Menge Praxistipps.

Der Wunsch

Juli 2020   

Für mich steht fest: ich möchte einen SL der Baureihe 129. Und zwar als 300er der ersten Serie mit dem Zweiventilmotor, Schaltgetriebe und ohne Klimaanlage - eben den berühmten "Buchhalter", dafür aber mit belegter Historie und Pflegenachweis sowie im unverbastelten Originalzustand.

 

Warum ich einen Nullausstatter will ? Den Motor kenne ich aus früheren C124-Zeiten als unproblematisch und sparsam. Leder möchte ich nicht, weil ich ungeachtet der Problematik "Im Sommer heiß/im Winter kalt" finde, dass die Mercedes-Leder nicht schön altern: Ich sehe meist glänzig gewordene rissige Ausstattungen, das zieht die Optik sehr hinunter. Die schrullige Stoffausstattung in „Sportkaro“ (so hieß das damals) gefiel mir dagegen immer schon und die verwendeten Stoffe sind robust und langlebig.  Eine Klimaanlage im Cabrio finde ich schlichtweg nicht notwendig und sollte auch helfen den Preis zu drücken. Und ich habe Freude am Schalten, zumal im Wandleröl der alten 4-Gang-Automatik, mit der der 300er nur zu haben war, für meinen Geschmack zu viele PS umkommen. Und schließlich habe ich mich auch von der Überlegung leiten lassen: "Was nicht drin ist, kann auch nicht kaputtgehen".